Plädoyer für eine kreative Touristik

Es wird wieder wärmer in der Reisebranche und das liegt nicht nur am Wetter. Aber nicht so warm wie ich und andere sich wünschen würden. Die Grundmisere bleibt, das sind die miesen Margen, Honorare und Provisionen der Touristik und die führen dazu, dass sich viele gute Leute entnervt von dieser faszinierenden Branche abwenden. Die Anforderungen sind vergleichsweise zu hoch, der Verdienst zu gering. Die Folgen sind sichtbar. Vielen Firmen (Veranstalter, Leistungsträger, Vermittler – ob groß und klein) geht es schlecht, die Insolvenzwelle bei den Vermittlern rollt. Die Tourismusbranche braucht dringend Impulse, die weit über Web 2.0 Ansätze hinaus reichen müssen, um etwas zu bewirken.

Damit sich wieder Top-Leute dafür begeistern, muss sich die Touristik neu erfinden und ein Klima schaffen, das attraktiv ist und Spaß macht. Hier kann die Verschmelzung mit der Kreativszene Akzente setzen, denn in diesem Ansatz liegt in meinen Augen die große Herausforderung. Die Branche präsentiert sich derweil mittelprächtig und mit Slogans, die mich nicht überzeugen. “Reisebüro. Hier fängt ihr Urlaub an”. Ist das nicht selbstverständlich? “Lassen Sie kümmern” war noch ein Tick schlimmer. Wen soll denn dieser Claim begeistern? Kein Wunder, dass man von einem Reisebüro spricht und einen Tante Emma Laden meint.

Während sich führende eTourismus-ThinkTanks in Spielereien mit Web 2.0 erschöpfen und auf jeden modischen Hype aufspringen, als wäre es eine ausgereifte Idee, muss man sich ernsthaft fragen, was hilft denn der Branche aus der Misere?

Meine Meinung dazu ist klar. Verstärkte Anstrengungen sind notwendig. Zum Beispiel bei:

Marketing, Ideen, Visionen, Kompetenz
Qualität der Leistung, plus
Gutes Geld für gute Leistung. Das gilt für Reiseangebote, Provisionen, Service und Dienstleistungen
Konzentration auf leistungsfähige Betriebsstärken mit integrierten übergreifenden Einheiten
Investitionen in Menschenkraft, Aus- und Weiterbildung
Investitionen in Design, Stil und Geschmack
Investitionen in alte und neue Medien
Kreativität und Spaß – online, offline, stationär

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  • Etwas mehr Kreativität und neue Ideen würden sicherlich nicht schaden und ich glaube es gibt noch einen weiteren ganz banalen Aspekt zu bedenken: erfolgreich ist immer nur derjenige, der von der eigenen touristischen Tätigkeit SELBER ÜBERZEUGT IST; wenn ich z.B. keine Volksmusik mag, dann sollte ich auch nicht versuchen, mich mit einem Gaudiabend zu profilieren, nur weil es die anderen Anbieter auch machen. Und anstatt jedes Jahr einfach nur die Kapazitäten zu erhöhen, gilt es DIE eigene Nische am Markt zu finden und nach und nach auszubauen.

  • Hallo Herbert, da capo. Ich sag schon lang, mit Überzeugung und Freude kommt der Erfolg. Denn Spaß steckt an und dann geht alles besser.

  • Im Prinzip richtig aber nicht so einfach umzusetzen. Wenn keiner Geld hat, wo solls herkommen?

  • So schwerfällige Tanker wie die TUI, Thomas Cook etc haben ganz andere Probleme. Bis sich in den Konzernen etwas ändert, muss schon ein mittleres Erdbeben stattfinden. Änderungen können von kleinen Startups oder innovativen Firmen ausgehen. Vor allem ist viel Einsatz und Herzblut gefordert.

  • @Naddl Geld ist schon da. Leider nicht dort, wo es nach meiner Ansicht besser investiert wäre.

    @Seejungfrau Richtig. Kleine Schnellboote sind sicher wendiger als große, schwerfällige Tanker.

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