Arbeitsplatz AIDA Kreuzfahrtschiff: Als Lektor unterwegs

Die meisten Menschen fragen sich morgens beim Aufwachen, welcher Tag der Woche sie erwartet? Ein Kreuzfahrtlektor fragt sich vielleicht noch, wo auf der weiten Welt er sich gerade befindet? Malta – Dubai – Singapur – Karibik – auf den AIDA Schiffen kann man inzwischen fast alle sieben Meere befahren. Das muss doch ein Traumjob sein. Als Lektor und Begleiter der Kreuzfahrtgäste unterwegs, die Welt bereisen und dabei noch Geld verdienen.

Um einen reibungslosen Betrieb an Bord eines Kreuzfahrtschiffs aufrecht zu erhalten, bedarf es viel Manpower hinter den Kulissen, von denen die allermeisten Reisenden nur sehr wenig zu Gesicht bekommen. Wir haben den Kreuzfahrt-Lektor Axel C. Brüggemann gefragt, wie er seinen Beruf gefunden hat, und welche Voraussetzungen man mitbringen muss, um auch an solch einen Job zu gelangen:

Wie sind Sie zu diesem Job gekommen?

Ich wechselte nach meinem Studium von Trier nach Hamburg, um dort meine Abschlussarbeit zu schreiben. Währenddessen hatte ich die Möglichkeit, bei Hapag Lloyd zu arbeiten. Es ergab eines das andere: von der Marketingabteilung über Sales zum Vertrieb. Plötzlich fand ich mich auf Road Shows in Deutschland, Österreich und der Schweiz wieder, weil ich gute Vorträge halten konnte über die einzelnen Fahrtgebiete der Hapag Lloyd Kreuzfahrten Flotte. Von da aus war es nur noch ein kleiner Schritt, diese Vorträge auch als Lektor an Bord zu halten. Mittlerweile fahre ich seit 17 Jahren als Kreuzfahrtlektor zur See.
Auch heute halte ich immer wieder Vorträge für Hapag Loyd Kreuzfahrten. Mein nächster Vortrag geht über die großen Seen in Nordamerika für ein Hapag Lloyd Reisebüro in Köln.

Theatrium AIDA
Axel C. Brüggemann auf der Bühne des Theatriums

Welche Routen gefallen Ihnen besonders gut?

Ich genieße Routen, die in ihrem Verlauf verschiedene Kulturen beinhalten, über die sich spannend berichten lässt. Das wäre z.B. eine Kreuzfahrt von Asien über den Orient durch den Suezkanal bis nach Europa, oder von Montreal nach New York; aber auch von den Kanaren über Nordafrika bis ins östliche Mittelmeer. Diese Fahrtgebiete ermöglichen einem Lektor nicht nur interessante Häfen vorzustellen, sondern auch Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten der Kulturen herauszuarbeiten und mit Geschichten zu untermalen.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Job am meisten/am wenigsten?

Es ist unglaublich spannend immer wieder die Möglichkeit zu haben, in andere Kulturen einzutauchen. Durch die lange Zeit, die ich schon als Kreuzfahrtlektor arbeite, konnte ich viele Fahrtgebiete und ihre Kulturen intensiv kennenlernen – das schult. Ich mag die Idee des lebenslangen Lernens. Jede Kultur, Religion etc. hat ihre Wahrheit. Wenn man sich darauf einlässt, kann dies eine große Bereicherung sein. Es heißt: „Ohne das Fremde ist das Eigene unmöglich“ und „Fremde sind Freunde, die man noch nicht kennt“; davon bin ich heute überzeugt.
Wer viel reist, ist wenig zu Hause. Ich bin in der Anfangszeit als Bordlektor ¾ des Jahres unterwegs gewesen. Man verliert sehr viele soziale Kontakte an Land und man entfremdet sich etwas vom Alltag, da es diesen auf einem Kreuzfahrtschiff nicht gibt. Schließlich wollen Passagiere auf Reisen ihren Alltag hinter sich lassen. In dieser Situation schwimmt der Lektor mit.

Kreuzfahrtlektor bringt Steine ins Rollen
Kreuzfahrtlektor bringt Steine ins Rollen

Haben Sie es manchmal satt, ständig unterwegs zu sein, fern von Familie und Freunden?

Wie oben schon erwähnt, genieße ich es, unterwegs zu sein. Allerdings ist der Umstand, dass man Familie und Freunde wenig sieht – bis zu wenig – tatsächlich ein Thema. Daher fahre ich im Jahr nur noch eine begrenzte Zeit als Lektor auf Kreuzfahrtschiffen. Ausreichend Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen, ist mir sehr wichtig und nimmt einen hohen Stellenwert ein.

Als was arbeiten Sie, wenn Sie nicht auf Kreuzfahrt sind?

Ich bin schon mein ganzes Arbeitsleben immer freiberuflich unterwegs. Daher habe ich in meinem über 22 jährigen Berufsleben verschiedene Arbeitsgebiete kennengelernt.
Als Erststudium begann ich ein Chemiestudium an der Ruhr Universität Bochum. Dieses habe ich wegen meines Zweitstudiums nicht komplett abgeschlossen – arbeite jedoch seit 2004 in Teilzeit und ab 2008 hauptberuflich als Labormanager bei Nanion Technologies GmbH in München.
Das Studium der Kunstwissenschaft, Kunstgeschichte, Wirtschafts- und Sozialgeographie sowie Geschichte begann ich in Kassel und später Trier und schrieb meine Abschlussarbeit zum Magister Artium über das UNESCO- Weltkulturerbe in Hamburg.
In den Jahren 2006 und 2007 arbeitete ich für die Agentur Kochan&Partner in München als Lektor und Texter für die Katalogproduktion von Studiosus, Marco Polo Reisen, Magic Life und Peyer.
Ab 2006 versuche ich zwei Blöcke im Jahr von ca. 4 Wochen als Kreuzfahrtlektor zu fahren.

Kreuzfahrtlektor bringt Steine zum Sprechen
Kreuzfahrtlektor bringt Steine zum Sprechen

Was ist das Verrückteste, was Ihnen je auf einer Kreuzfahrt passiert ist?

Es passiert eigentlich immer irgendetwas auf einer Reise.
Ein Gast erzählte mir, dass sich zwei Männer unterhalten haben:“ Schau mal, da sitzt der Lektor Brüggemann“.
„Wer?“, fragte der zweite Mann.
„Na, der Lektor Brüggemann, der der immer die Vorträge hält“.
„Ach ja, Lektor Brüggemann. Aber sei mal ehrlich, Lektor ist doch nun wirklich ein mieser Vorname, oder?“.

Das Skurrilste war jedoch, als eine Passagierin in einem buddhistischen Tempel über die Absperrung ging und sich eine Banane von der Opferschale nahm. Unser Führer wurde aschfahl im Gesicht und geriet ins Taumeln. Wäre ein Blitz eingeschlagen, so hätte ihn das sicher nicht gewundert. Die Frau hat er anschließend nicht mehr angeschaut, geschweige denn berührt. Es war klar, sie hatte aus seiner Sicht unvorstellbar schlechtes Karma angehäuft.

Miami Beach
Miami Beach

Was empfehlen Sie bei Seekrankheit? Hatten Sie anfangs auch damit zu Kämpfen bzw. manchmal immer noch?

Seekrankheit entsteht wohl durch einen Konflikt des Gleichgewichtsorgans (welches meldet, dass etwas nicht stimmt) und den Augen (Sehvermögen), die melden, dass alles in Ordnung ist (wenn man sich im Schiffsinneren aufhält). Das Wichtigste ist, dem Auge zu zeigen, dass das Schiff sich bewegt, rollt, stampft (die Reeling sich mit dem Horizont schneidet). Hinzu kommt: leichtes Essen, ggf. etwas Ingwer und viel, viel Ablenkung. Wenn man auf der Kabine sitzt und darauf wartet, dass einem schlecht wird, dann wird einem ganz sicher sehr schnell übel werden. Leidet man bereits unter Seekrankheit, hilft leider nicht mehr viel. Das Rezept heißt also vorbeugen. Zum Glück leide ich nicht unter Seekrankheit, aber ich lenke mich auch immer ab und konzentriere mich auf andere Dinge.

Vielen Dank von unserer Seite, Herr Brüggemann, für das wirklich ausführliche Interview und die interessanten Einblicke hinter die Kulissen der Kreuzfahrt. Das waren interessante Hintergrunddetails und -anekdoten zum Beruf Kreuzfahrtlektor.

Die Serie wird demnächst fortgesetzt.

Falls Sie, liebe Leser, das Interesse gepackt hat, und Sie sich beruflich in Zukunft auch auf einem Kreuzfahrtschiff sehen, können Sie sich mit der passenden Lektüre zum Thema auf Amazon darauf einstimmen. Oder stellen Sie uns Ihre Frage in den Kommentaren.