Deutsche Langzeiturlauber im Ausland

Wer sich hauptberuflich mit dem Thema Urlaub, Reisen, Ferien beschäftigt, wird immer wieder aufs Neue auf ausgefallene Reiseideen und Urlaubspläne seiner Mitmenschen stossen. So bin ich zum besseren Einschlafen spät nachts durch die Fernsehkanäle gezappt und musste mich sehr wundern. Ich bin bei einem dieser Programme hängen geblieben, in denen es um deutsche Langzeiturlauber, die sich selbst Auswanderer nennen, geht.

Beispiel 1 – Urlaub in Teneriffa: Ein junges deutsches Pärchen kauft sich mit dem letzten Geld einen Lieferwagen mit eingebauter Softeis-Maschine. Damit fahren Sie auf die Fähre, die sie von Cadiz nach Teneriffa bringen soll. Der Plan: Aus dem Lieferwagen wollen die Beiden Softeis verkaufen und so ihren Urlaub, bzw. ihr Leben finanzieren.

Dass man dafür nicht nur in Deutschland, sondern auch in Spanien eine Genehmigung braucht, wurde ihnen erst später klar. Allerdings kam es erst gar nicht soweit, denn die Geschäftsidee scheiterte schon viel früher. Nicht nur, dass sie bestohlen wurden und sich über die Bürokratie in Spanien aufregen mussten, nein, es gab Schwierigkeiten und technische Hindernisse ohne Ende, die bei mir nur eine Frage hinterliessen: Was will uns dieser Sender mit solchen absurden Reportagen sagen?

Beispiel 2 – Urlaub in Brasilien: Eine Vierergruppe (Pärchen plus Freund mit Tochter) landet in einer Favela am Strand. Der Plan: Deutschen Urlauber die Naturschönheiten der Gegend zu zeigen und Ausflüge zu organisieren. Kleiner Nachteil: Man benötigt 100.000 Euro für eine Aufenthaltserlaubnis und ohne Aufenthaltserlaubnis gibt es keine Arbeitserlaubnis. Der Kredit für 100.000 Euro war jedoch (noch) nicht in Sicht.

Sind diese Stories der Urlauber – Auswanderer das Ergebnis der Phantasie eines durchgeknallten Drehbuch-Schreibers, der Quote für seine Sendungen braucht? Oder sind das reale Erlebnisse von Deutschen in Urlaubsländern? Das wäre nur möglich, wenn schon bei der Auswahl der Kandidaten für den Sender nur die Bewerber eine Chance kriegen, die eine möglichst bescheuerte Idee präsentieren…

Da in meinen Augen die Unterhaltungsindustrie ständig auf der Suche nach neuen Ideen ist, war es nur folgerichtig, das echte, reale Leben in exotischen Umgebungen mit praktischen Tipps im Überlebensdschungel darzustellen. So unvorbereitet und blauäugig wie sich diese Hauptdarsteller präsentierten, konnte der Auswanderungsgedanke niemals ernsthaft in die Tat umgesetzt werden. Folglich bleibt in meinen Augen nur die Einordnung in die Kategorie Urlaub mit Rückfahrkarte von der deutschen Botschaft. Jedes andere Resultat sollte mich wundern.

Es könnte natürlich sein, dass der Sender ein saftiges Honorar, sprich Schmerzensgeld für den Seelenstriptease der Schauspieler bezahlt und sich so bestätigt, dass die Geschichten Sonderformen des echten Lebens darstellen, die man auch als Langzeiturlaub oder -arbeitslosigkeit in der Fremde bezeichnen könnte.

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